read & play. Einführung in die Typografie
Im Institut wurde die Relevanz vorhandener Einführungen in das Fachgebiet Typografie untersucht. Als Schlussfolgerung der Analysen entstand ein neuer Typus, der über das gesamte Studium hinweg Hilfestellung und Orientierung bieten soll. Im Folgenden ist das Vorwort des Typografie-Readers READ + PLAY zu lesen:
Warum es READ + PLAY gibt.
Typografie ist für Studienanfänger ein weitgehend unbekanntes Fach.
Während Zeichnungen, Illustrationen oder Fotografien zum selbstverständlichen Repertoire ihrer Bewerbung gehörten, sind ihre Erfahrungen im Umgang mit Schrift meist gering. Und so liegt ihr Augenmerk zunächst auf den Fächern, die eine Weiterentwicklung vorhandener Fähigkeiten versprechen. Schließlich waren diese auch verantwortlich für das Ergattern eines der begehrten Studienplätze. Die Relevanz des Faches Typografie wird im Verlauf des ersten Semesters aber schnell deutlich. Es kristallisiert sich heraus, dass Typografie ein Kernfach der Visuellen Kommunikation ist. Denn Typografie bedeutet nichts anderes als den Umgang mit schriftgewordener Sprache, die unser tägliches Leben dominiert und eine der wichtigsten Informationsquellen darstellt. Ob als Buch, als Zeitschrift, als Teil eines Leitsystems, als Information im Internet, als Beipackzettel oder als Information auf Fahrplänen: Immer sind es Buchstaben, deren Kombination zu Wörtern und wiederum deren Organisation auf Flächen, die uns Inhalte übermitteln sollen. Diese Erkenntnis ist für den Laien leicht nachvollziehbar, ebenso wie die Nachricht, dass die Entwicklung und der Gebrauch von Schriftzeichen die menschliche Zivilisation überhaupt erst möglich machten. Dem Studienanfänger tut sich also ein Fach auf, dessen Relevanz er bislang weitgehend unterschätzt hatte und dessen Inhalt unerwartet komplex erscheint. Denn alle Informationen über das Fach stehen in einem größeren Kontext: Die Geschichte der Typografie ist auch die Geschichte der Kommunikations- und Produktionsmethoden. Typografie war und ist immer ein Spiegelbild der jeweils herrschenden politischen und kulturellen Verhältnisse. Typografie ist bis heute schriftliche Kommunikation und Gestaltungsstil zugleich. Worin aber besteht die Notwendigkeit, das Fach Typografie so komplex zu behandeln? Es könnte doch auch genügen, lediglich Regeln im Umgang mit Schrift und Layout kennenzulernen. Um die Notwendigkeit zu verstehen, sollte man sich Sprache und Typografie im Vergleich anschauen. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass die Fähigkeit zu sprechen bereits bedeutet, rhetorisch geschult und inhaltlich fundiert diskutieren zu können. Abgesehen davon, dass man die gleiche Sprache wie sein Gegenüber sprechen muss, ist Erfahrung in der Kommunikation mit anderen notwendig, Einfühlungsvermögen, Beobachtungsgabe und natürlich eine themenbezogene Kompetenz. Alle genannten Eigenschaften – kombiniert mit kreativem Strategiepotential und gestalterischem Handwerksvermögen – sind auch Voraussetzungen für funktionierende Typografie. Die Rolle der Designer in Kommunikationsprozessen ist also vielschichtig: Sie sind nicht nur die kreativen Übersetzer von Inhalten ins Visuelle, sondern auch Berater und Moderatoren, manchmal sogar Autoren und Herausgeber. Sie müssen Disziplinen verknüpfen, Beziehungen sichtbar machen und flexibel auf alles Neue reagieren. Mit anderen Worten:
Sie müssen Wissen organisieren, bewerten und als Information dann darstellen können.
Studienanfängern ist die intellektuelle Herausforderung ihres künftigen Berufes häufig nicht bewußt. Aber auch Studenten in fortgeschrittenen Semestern verstehen das Studium oft als eine Schulung ihrer Talente, an dessen Ende vor allem die handwerkliche Fertigkeit steht. Jedoch: Das Studium ist kurz, die Liste der zu erwerbenden Fähigkeiten ist lang. Der Bachelor-Studiengang Kommunikationsdesign in Mainz ist daher zweigleisig angelegt: Neben dem Präsenzstudium wird das sogenannte Selbststudium erwartet, also der eigenständige Wissenserwerb außerhalb der Seminare. Was das Fach Typografie angeht, steht Literatur mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Sichtweisen und Relevanzen zur Verfügung. Manche Fachbücher wiederholen einander, andere vertreten überholte Ansichten, wieder andere reflektieren brandaktuelle Debatten. Es tummeln sich Exotenmeinungen und Standardwerke. Manches Buch hat einen wissenschaftlich/theoretischen Charakter, manches Buch zeigt einfach nur schöne Typografie. Die Aufgabe des vorliegenden Typografie-Readers ist es daher, eine Orientierung zu geben, welche Themenbereiche in der Typografie besonders relevant sind und welche Bücher/Links/Publikationen darüber Auskunft geben. READ + PLAY verrät keine Details, sondern ist der Navigator durch den Dschungel des Fachwissens. Das vertiefende Studium soll fortgesetzt werden in der Fachliteratur, die hier empfohlen wird. Das Spektrum reicht von unverzichtbarer Lektüre bis zu interessanten Querverweisen in andere Disziplinen wie beispielsweise in die Kunst oder in die Philosophie. READ + PLAY ist in drei Teile geteilt: Teil A beleuchtet das Beziehungsgeflecht zwischen Typografie, Kommunikation und Gesellschaft. Teil B behandelt typografische Grundsatzfragen. Im Teil C diskutieren Lehrende der FH Mainz über READ + PLAY und verschiedene dort auftauchende Fragestellungen. Das Kapitel enthält darüber hinaus eine Übersicht aller empfohlenen Bücher sowie weitere Links und Hinweise. READ + PLAY erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sein Untertitel beschreibt, was es ist: die Einführung in das Fach Typografie.
read & play
Hrsg./Editors + Gestaltung/Design: Prof. Jean Ulysses Voelker,
Peter Glaab
Text: Jean Ulysses Voelker
deutsch/englisch, German/English
Broschur/Brochure, offene Fadenheftung/Open thread stitching,
Offset, Schwarz und 2 Sonderfarben/black
and 2 special colours
144 Seiten/pages
21,0 × 27,5 cm
ISBN 13:978-3-936723-26-7
Mainz 2010
18,50 €





