Der gemeinsame Besuch der AGI-Open Konferenz in Rotterdam war ein willkommener Anlass und Gelegenheit für ein Treffen und Austausch mit unserem langjährigen Mitglied und mehrjährigen Leiter des Instituts: Ulysses Voelker.
Er war von 2000–2019 in seiner Funktion in vielfacher Weise prägender Professor für Typographie, Studiengangsleiter, Dekan, Gründungsmitglied und mehrere Jahre Leiter des Institut Designlabor Gutenberg. Wir vermissen schon jetzt seine fachlich souveränen, in der Sache streitbaren, aber immer verlässlichen Kommentare und seinen Humor.
Vielen von uns wurde er auch zum Freund. Er wird uns fehlen, aber wir bleiben in Verbindung.
Im Rahmen der Sonderausstellung des Gutenberg-Museums »ABC. Avantgarde — Bauhaus — Corporate Design.« stellt der Master-Student Lukas Rudig sein für das ›bauhaus.labor‹ des Gutenberg-Museums entwickeltes Projekt »Das Irreale Ballett« vor.
In Experimenten und theoretischen Auseinandersetzungen untersuchte Oskar Schlemmer das Verhältnis zwischen Mensch, Raum und den physikalischen Gegebenheiten und findet so Mittel zur Verwirklichung von Teilaspekten der Kunstfigur: optische und physikalische Eigenschaften von Materialien, geometrische Abstraktion, implizierte Körperlichkeit. Bewegungsdaten der Besucher*innen werden im ›bauhaus.labor‹ mittels Motion-Capture-Technologie an je 25 Körperpunkten aufgenommen, analysiert und dienen als Parameter der Komposition von abstrakten Objekten im digitalen Diorama.
Das irreale Ballet versteht sich als zeitgenössische Interpretation von Oskar Schlemmers Visionen. Es reflektiert die Besucher*innen als Kunstfigur, gestalterisch frei von Restriktionen des menschlichen Körpers und lädt ein,
die Erkenntnis des Unmechanisierbaren auf subjektiver Ebene zu suchen.
Sieben ausstellungsbegleitende Projekte im ›bauhaus.labor‹ des Gutenberg-Museums, das seit Herbst 2018 mit temporären Präsentationen auf die Ausstellung ABC. verweist, zeigen innovative zeitgenössische Ansätze der Gestaltung, die im Masterstudiengang Gutenberg-Intermedia der Fachrichtung Kommunikationsdesign konzipiert wurden.
In 1929, ten years after the Bauhaus was founded, Berlin’s MartinGropius-Bau launched the exhibition Neue Typografie (New Typography). László Moholy-Nagy, who had left the Bauhaus in Dessau the previous year and had earned a reputation as a designer in Berlin, was invited to exhibit his work together with other artists. He designed a room entitled »Wohin geht die typografische Entwicklung?« (Where is typography headed?) – where he presented 78 wall charts, for which he not only used his own designs, but also included advertising prints by colleagues associated with the Bauhaus.
The functional graphic design, initiated by the New Typography movement in the 1920s, broke with tradition and established a new advertising design based on artistic criteria. It aimed to achieve a modern look with standardized typefaces, industrial DIN standards, and adherence to such ideals as legibility, clarity, and precision, in line with the key principles of constructivist art.
For the first time, this comprehensive publication showcases Moholy-Nagy’s wall charts which have recently been rediscovered in Berlin’s Kunstbibliothek. Renowned authors provide insights into this treasure trove by each contributing to this alphabetized compilation starting with »A« for the typeface »Akzidenz-Grotesk« and ending with »Z« for »Zinc plate«.
With texts by: Ute Brüning, Gerda Breuer, Steven Heller, Richard Hollis, Ellen Lupton, Erik Spiekermann, et al.
Editor: Petra Eisele, lsabel Naegele and Michael Lailach
Hochschule Mainz and Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin
Design: Isabel Naegele and Julia Neller
Kettler Verlag, Dortmund
Germany
Hardcover , 256 Seiten pages, 24x30cm
978-3-86206-753-4 de
978-3-86206-754-1 en
65,– Euro
Awards:
DDC Award GUTE GESTALTUNG 2019 – GOLD
Certificate of Typographic Excellence Type Directors Club Tokyo 2019
Im Rahmen der Sonderausstellung des Gutenberg-Museums »ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design.« stellt Anna Weirich ihr für das bauhaus.labor des Gutenberg-Museums entwickeltes Projekt »Play Type« vor.
Ein interaktiver »Typo-Montagetisch« bildet den Mittelpunkt der Typo-Mitmach-Ausstellung im bauhaus.labor: Hier können die Besucherinnen und Besucher modulare Schriftelemente, ähnlich wie sie am Bauhaus mit den Kombinations- und Schablonenschriften von Josef Albers und Joost Schmidt entworfen wurden, zu neuen Schriftformen zusammensetzen.
In der partizipativen Installation werden, inspiriert von der »Uhertype« (einem in den 1920er Jahren entwickelten Vorläufer des Fotosatzes) deren grafische und typografische Effekte neu interpretiert.
Mit analogen Formelementen, die mit digitalen Markern versehen sind, können individuelle Experimente durchgeführt werden. Aus dem Zeichensatz können typografische, aber auch figürliche oder abstrakte Formen zusammengefügt werden. Diese werden über eine Kamera erfasst und mittels digitaler Technologien in überraschend neue grafische und typografische Effekte übersetzt, die simultan in den Raum des bauhaus.labors projiziert werden.
Gudrun Zapf von Hesse war eine »Grande Dame« der Buchgestaltung und Pionierin des Type Design. Ihr schriftkünstlerisches Werk umfasst neben Kalligraphie und künstlerischer Buchbindung zahlreiche Schriftentwürfe wie die »Diotima«, »Colombine« oder »Hesse Antiqua«.
Wer das Glück hatte, sie in ihrem Haus auf der Rosenhöhe zu besuchen, war fasziniert von der Buchbinde-Werkstatt und den leisen, aber intensiven Gesprächen bei Tee und viel Gebäck.
Anlässlich ihres hundertsten Geburtstags wurde ihr erster Schriftentwurf die »Hesse Antiqua« – ursprünglich für Prägestempel konzipiert –, digitalisiert und nach siebzig Jahren bei Monotype veröffentlicht.
Am 17. März 2018 konnte im Darmstädter Institut für Neue Technische Form (INTeF) noch in ihrer Anwesenheit die Ausstellung »Gudrun Zapf von Hesse – der Schriftkünstlerin zum 100sten« eröffnet werden; im November 2018 wurde sie zum Ehrenmitglied der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft Mainz ernannt. Auch konnte sie der Premiere der filmischen Dokumentation ›Alphabet Magic‹ (Regie: Marita Neher) über das Leben und Wirken des Schrift- und Buchkunst-Ehepaares Zapf 2018/19 noch beiwohnen.
Am 13. Dezember 2019 ist Gudrun Zapf von Hesse in Darmstadt im Alter von 101 Jahren gestorben.
Am vergangenen Freitag wurden die Publikation und das Forschungsprojekt »Moholy-Nagy und die Neue Typografie / Moholy-Nagy and the New Typography« des Instituts Designlabor Gutenberg in Frankfurt in der Kategorie »Publishing« mit dem DDC AWARD GUTE GESTALTUNG 2019 in Gold ausgezeichnet.
Das hat uns – am Abend selbst – komplett überrascht und riesig gefreut!
Aus der Pressemitteilung des DDC AWARD GUTE GESTALTUNG 2019:
In der Kategorie Publishing wird das Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz für seine umfangreiche Publikation »Moholy-Nagy und die Neue Typografie« mit dem Gold-Award ausgezeichnet. Über 3 Jahre entstanden, dokumentiert das Buch anhand der wiederentdeckten Ausstellungstafeln der von László Moholy-Nagy kuratierten Ausstellung »Neue Typografie« von 1929 ein Forschungsprojekt zum nationalen Bauhaus-Jahr. Auf 256 aufwendig gestalteten Seiten macht die hochwertig gedruckte und gebundene Publikation, herausgegeben im Verlag Kettler, das Thema eindrucksvoll zugänglich.
Im Rahmen der Sonderausstellung des Gutenberg-Museums »ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design.« stellt Isabela Dimarco ihr für das bauhaus.labor des Gutenberg-Museums entwickeltes Projekt »The Poem Lab« vor.
»The Poem Lab« wurde auf der Grundlage der visuellen
und theoretischen Arbeiten des Bauhausmeisters
László Moholy-Nagy (1895-1946) konzipiert. Sowohl seine poetisch formulierten theoretischen Texte als auch seine mit sprachlichen Neuschöpfungen versehenen künstlerischen Innovationen wie »Typofoto« oder „Licht-Raum-Modulator« bilden den Ausgangspunkt. Darüber hinaus wurde der Kreis
– eines seiner unverwechselbaren Gestaltungselemente –
auf der grafischen Ebene neu interpretiert.
Ausgehend von experimentellen Versformen wählt ein Algorithmus zufällige Begriffe aus, die den designtheoretischen Texten von László Moholy-Nagy entnommen sind.
Diese wurden nach nach festgelegten syntaktischen Regeln in die Computersprache Python übersetzt. Die Begriffe sind auf monochrome, weiße Bücher projiziert. Durch das analoge Spiel mit den »Wort-Haltern« entstehen Variationen möglicher Gedichte. Damit wird das bauhaus.labor zum freien kollaborativen »Schreibraum für Lyrik«.
Die Installation verdeutlicht die aktuelle Situation des medialen Umbruchs vom Analogen zum Digitalen: Die analogen Bücher, die traditionell als »Gefäß« für Inhalte dienten, um Gedanken zu fixieren, werden ersetzt durch fluide Inhalte, die immer weniger materialhaft zu fassen sind. Derart befreit, kann »The Poem Lab« als Ausgangspunkt für eine kritische Reflektion über das zukünftige Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik verstanden werden.
One-day symposium about letters, scripts and languages. Organized in correlation with the exhibitions Missing Scripts (Alphabetum IV) & Laws of Form (Alphabetum III). Presented by West Den Haag in collaboration with the Institut Designlabor Gutenberg (Hochshule Mainz), Atelier National de Recherche Typographique (Nancy), SEI Departement of Linguistics (Univerisity of Berkekey, USA) and Type and Media (KABK Den Haag).